Pressemitteilung vom 28.09.2015

Handelblatt vom 28.09.2015


Vorpommern statt Pampa

Handelsblatt, 28.09.2015. Der Name Block steht hierzulande fuer hochwertiges Rindfleisch. Bislang kam das meist aus Argentinien. Nun erprobt die Gastro-Gruppe erstmals Steaks aus Deutschland - weil Rindfleisch auf dem Weltmarkt knapp wird.

Die Herde grast ruhig auf der Salzwiese, Mutterkühe wachen über ihre Kälber, ein Bulle mit Nasenring streift zwischen ihnen umher: ein vorpommerisches Idyll vor den niedrigen Deichen des Ostsee-Boddens. Und zugleich das derzeit wichtigste Projekt von Stephan von Bülow, Chef der Block-Gruppe, zu der die 36 deutschen Block-House-Steakhäuser, Jim-Block-Burgerläden, vor allem aber eine Fleischerei und ein Gastronomie-Zulieferer gehören. Das Familienunternehmen mit seinen gut 340 Millionen Euro Umsatz steht wie kein zweites in Deutschland für hochwertiges Rindfleisch. Von Bülow will dafür sorgen, dass das so bleibt. Dazu schafft er etwas, das nach ländlicher Tradition aussieht, tatsächlich aber Zeichen des rasanten Wandels der Landwirtschaft ist - und ausgerechnet auf dem Erbe der untergegangenen DDR und ihrem Plan, die 'Tierproduktion mit industriemäßigen
Anlagen' voranzubringen.

Seit zwei Jahren lässt von Bülow seinen Vorstandskollegen Karl-Heinz Krämer an dem Projekt arbeiten, das die Block-Gruppe von den Importen aus Südamerika etwas unabhängiger machen soll. 'Entscheidend ist, dass der Rohstoff hochwertige Fleischrinder auf dem Weltmarkt knapp wird', sagt von Bülow. Chinesische Importeure kaufen neuerdings in Südamerika ganze Herden. Zugleich sinkt in Argentinien wegen der Wirtschaftskrise die Produktion: Statt 58 Millionen stehen nur noch 48 Millionen Rinder in der Pampa. 'Wir haben Sorge, dass wir eines Tages unseren Bedarf nicht
mehr decken können', warnt Krämer.

Ohne diese Verwerfungen im internationalen Rohstoffhandel hätte der Manager den Eigentümer der Salzwiesen, Holger Aulrich, wohl nie kennen gelernt. Für den studierten Landwirt sind wirtschaftliche Umbrüche in seinem Berufsleben der Normalfall, nicht die Ausnahme. Begonnen hat Aulrich als Leiter des Bereichs Milchproduktion der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Waterkant Saal, er übernahm 1991 mit einem Partner das Milchgeschäft, investierte in eine hochmoderne Melkmaschine aus Wisconsin, USA. Doch als der Milchpreis 2008/09 immer weiter fiel, wurde klar: Entweder Aulrich schießt kräftig Geld nach und verdoppelt die Zahl seiner 600 Milchkühe - oder er schaut sich nach einem anderen Geschäftsmodell um.

Der Ausweg fand sich weit im Osten: Russland will die Milchproduktion ausbauen und braucht dafür Jungtiere, Rinder, die Aulrich liefern kann. Doch die Wirtschaftskrise und wechselseitige Embargos machen nun auch dieses Geschäft risikoreich - und falls die russischen Pläne aufgehen, kommt das Land demnächst sowieso ohne Tierimporte aus.
Der große Plan von Bülow kommt für Aulrich also zur rechten Zeit - zumal er die Vorgaben aus der Hamburger Firmenzentrale erfüllen kann: offene Ställe mit Auslauf, sechs Monate im Jahr auf der Weide, mindestens ein halbes Jahr Zeit für die Kälber beim Muttertier. 'Wir sind doch Tierhalter geworden, weil wir tierlieb sind', sagt Aulrich. Denn die Vorgaben orientieren sich an einem inzwischen ausgelaufenen Tierwohl-Förderprogramm des Landes Mecklenburg-Vorpommern, bei dem Aulrich mitgemacht hat. Und Block-Manager Krämer verlangt eine Rasse, die Aulrich noch aus seinen frühen Berufsjahren vertraut ist: Uckermärker Rind.

Ursprünglich wollte Krämer Angus-Rinder in Deutschland züchten lassen, das typische Rind Südamerikas, das jedem Steakfan als Delikatesse vertraut ist. Diese Rinder werden in Deutschland bislang eigentlich nur von Liebhabern gezüchtet. Etwa 27 Monate dauert es, bis so ein Vieh schlachtreif ist, fast doppelt so lange wie bei den üblichen modernen Züchtungen, die in deutschen Ställen stehen. Das bedeutet: doppelte Aufzuchtkosten, zwei Saisons in Stallhaltung, die mit 1,50 Euro Kosten je Tag doppelt so teuer ist wie die sommerliche Weidehaltung. Die Mecklenburger Landwirte spielten nicht mit - und schlugen stattdessen Uckermärker vor. In den 1970er-Jahren wurde die Rasse in der DDR gezüchtet, eine robuste Kreuzung aus Milch- und Fleischvieh. Als 'Genotyp 67' produzierten LPGs die Tiere auch für den Export nach Westdeutschland. Doch mit dem Zusammenbruch der DDR verschwand die Rasse. Zwischenzeitlich lebten nur noch wenige Hundert Tiere. Aus der Seltenheit der Rasse ergibts ich ein Alleinstellungsmerkmal Krämer rechnete aus: Nimmt die Block-Gruppe die etwas wachstumsschwächeren weiblichen Tiere, in der Fachsprache Färsen genannt, kostet das etwa zwölf Prozent Aufpreis, also 140 bis 170 Euro je Tier. Schließlich dauert es nur wenige Monate länger bis zur Schlachtreife, die Tierschutzanforderungen der Gruppe sind moderat. Dafür erhält der Konzern besseres Fleisch, produziert nach eigenen Tierschutzrichtlinien und - selten in Deutschland: nur von einer einzigen Rasse. Das ermöglicht dem Konzern, das Fleisch aus Deutschland als regionale Spezialität zu vermarkten. Die sogenannten Edelteile wie Steaks kommen als erstes deutsches Rindfleisch überhaupt in die eigenen Steakhäuser, zunächst als Aktion, später womöglich dauerhaft. Das gesamte Rind vermarktet Block über Famila-Supermärkte in Norddeutschland - zunächst allerdings nur in dreien. Aufsteller und Flugblätter verkünden dort: 'Uckermärker - Das robuste Rind aus der Weite des Nordens.' Der Markttest sei abgeschlossen, teilt Famila auf Anfrage mit, das Fleisch komme gut an. Daher würden immer mehr Läden damit beliefert - als Teil der Tierschutzbemühungen der Kette. Dafür seien die Kunden erfahrungsgemäß bereit, einen Aufpreis zu zahlen. Für Block-Manager Krämer ergibt sich aus der Seltenheit der Rasse ein Alleinstellungsmerkmal, das Konkurrenten nicht so schnell kopieren können. Veredelt in der Trockenreifung könne das Rind mit US-Qualitäten mithalten, meint er nach der ersten Verkostung im konzerneigenen Nobel-Steakhaus Theo's. Andererseits ist die Rasse bislang kaum bekannt. Block muss also seine Markenkraft nutzen, um das Uckermärker zu einem Begriff zu machen. Denn bislang ist unter Kennern deutsches Fleisch selten gefragt. 'Endverbraucher fordern von uns bislang keine regionalen Produkte. Eher werden Gastronomen aufmerksam', bestätigt Wolfgang Otto vom Edelfleisch-Versender Otto Gourmet. 'Aber es ist sehr schwierig, in Deutschland Qualität in ausreichender Menge zu bekommen.' Bislang bietet er deutsches Rind nur in kleinen Mengen von einem Demeter-Hof und von kleinen Angus-Züchtern an.

Auch bei der Block-Gruppe kommen vorerst nur begrenzte Mengen in die Restaurants und in den Handel. Denn die Tiere für das Programm stehen neben den umgebauten alten LPG-Ställen bei Bauer Aulrich erst bei sieben weiteren Landwirten. Von 60.000 Tieren, die jährlich für die Block-Restaurants sterben, fallen die derzeit 1.100 Uckermärker noch kaum ins Gewicht. Mittelfristig könnte Block jedoch große Teile auf Uckermärker umstellen. Sechs Landwirte sollen in Kürze dazukommen, weitere acht stehen auf der Liste. Zudem sucht von Bülow weitere Möglichkeiten, um vom Weltmarkt unabhängig zu werden. Im November reist er nach Uruguay, um in dem Land, in dem er schon lange bei Schlachthöfen einkauft, Vertragsbauern zu finden. In Rumänien läuft ein Projekt für 'Karpatenrind' mit der Rasse Black Angus. Und mittelfristig könnte die Block-Gruppe sogar selbst zum Züchter werden.

Damit folgt die Block-Gruppe anderen Lebensmittel-Unternehmen, die ebenfalls knappere Mengen auf dem Weltmarkt bei steigender Nachfrage nach speziellen Rohstoffen sehen. Der Hafer-Spezialist Kölln etwa arbeitet bei neuen Haferdrinks mit regionalen Landwirten auf Rügen zusammen. Der Schokoladen-Hersteller Ritter baut eine eigene Plantage in Nicaragua auf. Inzwischen werden die traditionellen Lieferländer hellhörig. Bei Block-Chef von Bülow jedenfalls hat sich bereits der Botschafter aus Uruguay gemeldet, um zu hören, wie groß das Projekt Uckermärker noch werden könnte. Er kann aufatmen: Auf südamerikanisches Fleisch werden die deutschen Konsumenten nicht verzichten.

Handelsblatt

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