Pressemitteilung vom 30.06.2021


Hamburg im Lockdown - Philippa Brück, Miriam Hilker und Corinna Weiner zeigen ihre Ergebnisse des Atelierstipendiums in der Galerie im Elysée


Ein Musiker am Hafen, Menschen auf Abstand in Planten un Blomen, der Hamburger Hafen wie eine verblasste Erinnerung oder großformatige Bilder aus fragmentarisch zusammengesetzten Blumen und Pflanzen – die drei Kuenstlerinnen Philippa Brueck, Miriam Hilker und Corinna Weiner haben sich auf unterschiedlichste Art und Weise dem Thema „Hamburg im Lockdown“ angenähert und spiegeln damit die vielfältige, subjektive Wahrnehmung dieses Zeitgeschehens wider.

Die Galerie im Elysée zeigt insgesamt 45 Kunstwerke des Atelierstipendiums, zu dem Christa Block während des Lockdowns im Frühjahr dieses Jahres eingeladen hatte. Die Galeristin und Kunstsammlerin hatte Künstlerinnen und Künstler aus der Region aufgefordert, sich für einen zweiwöchigen Aufenthalt im Grand Elysée Hamburg in einem von insgesamt drei „Kunstzimmern“ zu bewerben und sich dem Thema „Hamburg im Lockdown“ malerisch anzunähern.

Philippa Brück, Miriam Hilker und Corinna Weiner wurden unter rund 60 Bewerberinnen und Bewerbern von einer Jury, bestehend aus Christa Block, Meike Woermann als Kuratorin der Galerie im Elysée, und Christian Hahn, Professor für Malerei von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg ausgewählt. Die drei ausgewählten Künstlerinnen waren frei in ihrer Umsetzung des Themas, einzige Vorgabe war das gegenständliche Arbeiten und die Verarbeitung der Besonderheit der aktuellen Situation.

„Mit ‚Hamburg im Lockdown‘ zeigen wir eine hochaktuelle Ausstellung in der Galerie im Elysée, die wie kaum eine andere die Betrachter bewegen wird, weil sie ihre eigene, unmittelbare Lebenswirklichkeit berührt“, sagt Christa Block. „Denn die Pandemie und die damit einhergehenden Lockdowns haben die gewohnte Normalität zum Stillstand gebracht und für die meisten von uns eine neue Realität geschaffen.“

Eigentlich treffen sich im Grand Elysée Hotel Hamburg Gäste aus aller Welt, angereist zu Geschäftsterminen, zum Sightseeing oder für große Veranstaltungen. Monatelang konnten in dem Fünf-Sterne-Privathotel an der Rothenbaumchaussee wie in allen anderen Hotels aufgrund der coronabedingten Beschränkungen aber nur wenige Menschen zu Gast sein. „Ich wollte dieser Situation etwas Gutes abgewinnen“, so Christa Block weiter. „Wieso also nicht einige der leeren Zimmer nutzen, um Künstler zu fördern, die von den Auswirkungen der Pandemie ja ebenfalls stark betroffen sind? Dieser Gedanke war mein erster Anstoß für die Kunstzimmer.“

Ihr Ziel war es, den Künstlerinnen einen Freiraum im Lockdown zu schaffen – das Ergebnis hat Christa Block überrascht und auch in ihrer Idee bestätigt: „Es sind so unterschiedliche, beeindruckende Werke entstanden, die in ihrer Ausdrucksform erkennen lassen, was die Künstlerinnen in dieser Zeit bewegt hat. Sie haben sehr konzentriert und produktiv gearbeitet, so als ob der Stillstand der Stadt eine besondere Energie bei ihnen hervorgerufen hätte.“

Die Künstlerinnen im Freiraum

Miriam Hilker bezog als Erste ihr „Kunstzimmer“. Die 1982 geborene Malerin und Galeristin lebt und arbeitet in Göttingen. Studiert hat sie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main. Ihre Bilder verbindet die Idee bzw. die Fragestellung, wie man sich in seiner Umgebung bewegt. Dabei geht es ihr nicht um die realistische Darstellung, sondern vielmehr um die Frage, was genau ihr in Erinnerung bleibt – mal ist es die Farbstimmung, mal ein Gegenstand in der Landschaft. Ihre getuschten Malereien wirken zart, fast transparent, wie verblasste Erinnerungen. Miriam Hilker lässt sie sich von Orten inspirieren, die sie besucht, und von Situationen, die sie erlebt. Die Malerin war viel am Hafen unterwegs. Die relativ konkreten, kleinen Skizzen fertigte sie vor Ort an und malt dann aus ihren Erinnerungen. In ihrem „Fünf-Sterne-Atelier“ saß sie oft bis spät nachts am Tisch im Zimmer und ließ ihre Eindrücke auf der Leinwand lebendig werden. 

Zur unverwechselbaren Bildsprache der 1977 geborenen Berliner Künstlerin Corinna Weiner gehört eine realistische Darstellung, die aber nicht die Abbildung des Moments in den Vordergrund stellt, sondern Stimmungen vermittelt und eine Ebene über das Konkrete hinaus eröffnet. Die Malerin, die an der Hochschule der Künste (heute Universität der Künste Berlin) bei den Professoren Marwan und Georg Baselitz studierte, hat sich dem Thema „Hamburg im Lockdown“ in der Tradition der Pleinair-Malerei genähert und ihre Bilder größtenteils vor Ort mit Leinwand und Farben entstehen lassen. Dafür ist sie in ganz Hamburg unterwegs gewesen. Ihr Ziel war es dabei nicht, Sehenswürdigkeiten abzubilden, sondern spannende Motive zu finden – kleine Dramen, die sich abspielen, besondere Alltagssituationen im Lockdown, wie zum Beispiel Musiker ohne Publikum oder der fast menschenleere Kiez und diese so darzustellen, dass man sich als Betrachter in den Situationen wieder erkennen kann.

Mit Philippa Brück, die 1993 geboren ist, fiel die Wahl der Jury auf eine Studierende der HAW Hamburg. Nach ihrem 2017 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Fachbereich Theatermalerei abgeschlossenen Diplom, studiert sie nun hier im Fachbereich Illustration mit Schwerpunkt Malerei. Neben ihrem Studium ist Philippa Brück als freischaffende Malerin und Illustratorin tätig. Die Künstlerin nutzte das Platzangebot eines Veranstaltungsraums dafür, um an zwei großen Leinwänden gleichzeitig zu arbeiten. Als gelernte Theatermalerin ist für sie in der Pandemie das Theater als große Inspirationsquelle weggefallen. Auch aufgrund der monatelangen Zurückgezogenheit haben sich ihre Arbeiten stark verändert, ihre bisher konkreten Figuren zerfallen immer mehr. Sie verarbeitet von der Pandemie hervorgerufene Ängste und Unsicherheiten mit eher abstrakten, symbolischen Bildern. Dabei setzt sie fragmentarisch Figuren aus Pflanzen, Blüten, Fleisch und Gliedmaßen zusammen, aus denen sich eine Art Metamorphose ergibt – ein Schwebezustand zwischen Stillleben und Figur, auf der Suche nach dem Alltäglichen, nach Nähe, und der gleichzeitigen Distanzierung von Vertrautem.

Kunstgenuss auf Augenhöhe: Die Sammlung Block im Grand Elysée Hotel Hamburg 

Mit über 1.100 Gemälden, Aquarellen, Grafiken, Skulpturen und Fotografien ist die Sammlung Block im Grand Elysée Hamburg eine der bedeutenden Privatsammlungen gegenständlicher Kunst in Norddeutschland. In themenorientierten Dauerausstellungen werden über 850 Exponate in den Foyers und Restaurants, Veranstaltungsräumen sowie in den Hotelfluren und Suiten präsentiert. In der Galerie im Elysée wird in regelmäßig wechselnden Ausstellungen zeitgenössische gegenständliche Malerei aus Norddeutschland gezeigt und gefördert.

Bildmaterial: https://cloud.block-gruppe.de/s/c3n4WaSy2fTgmXZ

Bildunterschriften:

Bild 1: von links: Corinna Weiner, Christa Block, Philippa Brück, Miriam Hilker
Bild 2: Philippa Brück: „Figur 9“, Öl auf Leinwand 200x150cm, 2021
Bild 3: Corinna Weiner: „Nachts in meinem Hotelzimmer“, Öl auf Leinwand 50x40cm, 2021
Bild 4: Miriam Hilker: „Neue Landschaften IV“, Tusche auf Papier, 64x57cm, 2021

Fotonachweis: Galerie im Elysée/Barbara Kloth

Hamburg, im Juni 2021 

Pressekontakt: 

Meike Woermann, Kuratorin Sammlung Block und Galerie im Elysée
Tel. (040) 41412-825, E-Mail: Meike.Woermann@grand-elysee.com

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Christina Schreiner